Wald der Märzenbecher – Kurzversion

Kurztext Wald der Märzenbecher


ausführliche
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Im zeitigen Frühjahr bilden unzählige Märzenbecher weiße Blütenteppiche.

Die Vorkommen am Gladeberg waren bis 2007 als flächiges Naturdenkmal geschützt. Der Märzenbecher, auch Frühlingsknotenblume genannt, ist eine ausdauernde Zwiebelpflanze, die im Frühjahr ab Februar bis in den April hinein blüht. Sie wird von Bienen und Tagfaltern bestäubt, die in den Blüten eine frühe Nahrungsquelle finden. Die 10-30 cm hohe Pflanze ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt und gilt in Niedersachsen als gefährdete Art.

Obwohl sie giftig ist, wurde sie früher als Heilpflanze genutzt. Frühblüher im Wald nutzen die Zeit vor der Belaubung der Bäume. Nur in der kurzen Zeitspanne, bis sich das Blätterdach über ihnen schließt, erreichen sie genug Sonnenlicht für den Prozess der Photosynthese. Als Überdauerungsorgane dienen bei den Frühblühern entweder Knollen, Zwiebeln oder Rhizome (Wurzelstöcke). Bei letzterem handelt es sich um eine unter der Erde oder dicht über dem Boden wachsende, mehrere Winter überdauernde Sprossachse, von der nach unten die eigentlichen Wurzeln, nach oben die Blatttriebe ausgehen. Mit Hilfe dieser Organe speichern die Pflanzen Vorratsstoffe, wie z.B. das Kohlenhydrat Stärke, um im Frühling rasch aus dem Boden zu sprießen.

Ebenfalls hier vorkommende Pflanzen sind das Buschwindröschen, das Wald-Bingelkraut, die Haselwurz, die Schlüsselblume, der Gefleckte Aronstab, die Türkenbundlilie, der Wald-Goldstern, die Ährige Teufelskralle, der Gemeine Efeu, und verschiedene Orchideen. Weitere typische Gewächse, die an anderen Orten auf vergleichbaren kalkhaltigen Böden wachsen, sind die Schwalbenwurz, das Leberblümchen, die Akelei, die Tollkirsche, der Bärlauch und der Seidelbast.

Der Untergrund des Gladeberges besteht aus Gesteinen des Oberen und Mittleren Muschelkalks. Es haben sich kalkhaltige, flachgründige Böden mit humosem Oberboden entwickelt, die als Rendzina bezeichnet werden. Sie bieten eine gute Grundlage für Laubwald, der hier vor Ort vorwiegend aus Rotbuchen (besteht. Als weitere Baumarten kommen Hainbuchen, Wildkirschen, Berg-Ahorne und Bergulmen vor.

Der Baumbestand im Umfeld ihres Standortes wurde bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts als Niederwald bewirtschaftet, aber in der Folgezeit durch Anpflanzungen und Saat in einen Hochwald umgewandelt. Niederwälder entstehen durch eine traditionelle Nutzungsform von Laubwäldern, bei der die Bäume alle 15 bis 25 Jahre abgeholzt („auf den Stock gesetzt“) wurden. Der Hieb erfolgte oberhalb des Erdbodens, so dass sich die Bäume aus den verbliebenen Wurzelstöcken und Stümpfen wieder regenerieren konnten. Mit der Zeit entstanden dadurch niedrige Wälder aus Bäumen mit jeweils mehreren, vergleichsweise dünnen Stämmen von bis zu 10 m Höhe.

Über einen langen Zeitraum waren Niederwälder relativ weit verbreitet; überwiegend, um Brennholz zu gewinnen. Mit zunehmender Industrialisierung verloren sie jedoch ihre Bedeutung und wurden aufgegeben oder in den heute üblichen Hochwald umgewandelt.