Wüstung Withighusen

Wüstung Withighusen

Kurztext Wüstung Witighsen


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Ein wichtiger Aspekt für eine Besiedlung war das Vorkommen von Wasser
Ein wichtiger Aspekt für eine Besiedlung war das Vorkommen von Wasser

Im Bereich Ihres Standortes befand sich im Mittelalter die Siedlung Withighusen (urkundlich belegt Mitte des 12. bis Mitte des 16. Jahrhunderts), die jedoch von ihren BewohnerInnen vollständig aufgegeben wurde und im Laufe der Zeit verfallen und letztendlich verschwunden ist.

Derartige Dörfer, die von ihren Bewohnern verlassen worden sind, werden als Wüstungen bezeichnet. Die Ackerflächen und Wiesen wurden zumeist ebenfalls aufgegeben (Flurwüstung), manchmal auch von den Nachbardörfern aus weiter bewirtschaftet.

Wie im Fall der Wüstung Withighusen sind die meisten Wüstungen im Solling heute von der Erdoberfläche verschwunden und von Wald überwachsen. Hinweise auf die aufgegebenen Orte geben oft urkundliche Erwähnungen, wobei oftmals mehrere Namen für ein Dorf gebräuchlich waren (hier: Wittingehusen, Wittinghausen). In vielen Fällen sind die Wüstungen auch noch an der typischen Ausprägung der ehemaligen Wirtschaftsflächen in Form von Wölb- oder Terrassenäckern zu erkennen. Eher seltener finden sich noch Hauspodeste oder Ruinenreste.

Im Falle von Withighusen wurden zahlreiche Scherben und Hüttenlehm gefunden.

Die Wölbäcker sind aufgrund der Bewaldung nur schwer zu erkennen.

Sie entstanden durch die Verwendung von eisernen Pflügen – die von Ochsen oder Pferden gezogen wurden – und die im Gegensatz zu den späteren Wendepflügen die Ackerkrume nur in eine Richtung wenden konnten. Die Äcker wurden in der Weise gepflügt, dass sich mit der Zeit immer mehr Ackerkrume zur Ackermitte hin verlagerte. Hier kam es zu einer Erhöhung der Oberfläche, während sich die Ränder vertieften. In der Mitte bildete sich eine mächtige, humose und fruchtbare Ackerkrume. Zudem blieben die Ackerflächen trockener, da die Randfurchen als Drainage fungierten. Von der landwirtschaftlichen Tätigkeit der Menschen zeugen in den Hanglagen des Berglandes vielfach auch terrassenförmige Ackerflächen (Terrassenäcker), die den Anbau von Feldfrüchten in steilem Gelände möglich machte.


Bis ins 14. Jahrhundert stiegen die Bevölkerungszahlen sprunghaft an, was zur Folge hatte, dass verstärkt bis dahin nicht nutzbares Land für die Besiedlung erschlossen wurde (Binnenkonolisation, Landesausbau). In den Mittelgebirgen entstanden durch Rodungen neue Nutzflächen und Siedlungsraum. Anderenorts wurden Sümpfe und Moorgebiete trockengelegt. Die Bauern waren für die Kultivierung der neu erschlossenen Siedlungsgebiete verantwortlich und mussten die Höfe mit Vieh und Ackerbaugeräten ausstatten. Für die aufwendige Kultivierungsarbeit konnten die Grundherren die Bauern oft nur durch besondere Anreize gewinnen. Viele Bauernsöhne, die den väterlichen Hof nicht erbten, konnten sich eine eigene Existenz aufbauen.


Die ersten Wüstungen, die in der Region urkundlich belegt sind, erscheinen in der spätmittelalterlichen Wüstungsperiode zwischen Anfang des 14. Jahrhunderts und der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. In diesem Zeitraum sind im südlichen Niedersachsen mehr als die Hälfte der im Mittelalter bestehenden Siedlungen (auf der Hochfläche des Sollings sogar alle) von ihren BewohnerInnen verlassen worden. Die allgemeinen Ursachen, die zum Wüstfallen von Siedlungen geführt haben, sind bekannt. Für ein bestimmtes Dorf können aber zumeist keine eindeutigen Aussagen darüber gemacht werden, warum die BewohnerInnen ihre Hofstellen an diesem Ort aufgeben mussten.

Einer der Auslöser ist in einer Agrarkrise zu sehen, die im Spätmittelalter herrschte. Hervorgerufen wurde sie durch die zahlreichen Seuchen, die zu jener Zeit wüteten und besonders die Bevölkerung in den Städten erheblich dezimierten. Die damit verbundene geringere Nachfrage vor allem an Getreide führte zu einem Verfall der Getreidepreise. So verließen die Bauern das Land und zogen oft in die Städte, die zusätzlich mit bestimmten Privilegien lockten.

Die Landbevölkerung litt stark unter den ständigen Fehden, die während des 14. und 15. Jahrhunderts vorherrschten. In diesem Zusammenhang wurden meistens die Dörfer mit ihren Fluren zerstört oder zumindest geplündert, um dem Gegner die wirtschaftliche Existenzgrundlage zu entziehen. Als Folge siedelten sich viele Bauern in benachbarten Dörfern an. Die größeren Siedlungen konnten besser gegen Angriffe verteidigt werden, da mehr wehrfähige Männer zur Verfügung standen. Gleichzeitig konnten in der Gemeinschaft leichter Abwehreinrichtungen, wie Wälle, Gräben oder Palisaden errichtet werden.

Vermutlich führten auch Klimaverschlechterungen während des Spätmittelalters zur Aufgabe von Siedlungen. So fällt der Beginn der Hauptwüstungsperiode in der Region in etwa mit einer um 1330 anzunehmenden Verschlechterung des Klimas zusammen.

Heute finden sich im Umfeld der ehemaligen Siedlung schöne Waldränder, die für viele Tiere einen wichtigen Lebensraum darstellen.