Wald- und Forstwirtschaft

Wald- und Forstwirtschaft

Kurztext Wald & Forstwirtschaft


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Beim Zusammentragen der Holzstämme wurde früher Holzrückepferde eingesetzt; heute erledigen Maschinen diese Arbeit
Beim Zusammentragen der Holzstämme wurde früher Holzrückepferde eingesetzt; heute erledigen Maschinen diese Arbeit

Der Wald, in dem Sie sich gerade aufhalten, ist wie die übrigen Waldflächen des Sollings ein wirtschaftlich genutzter Wald.

Für die planmäßige, nachhaltige Bewirtschaftung und Pflege der Wälder ist die Forstwirtschaft zuständig.

Bezogen auf die Fläche stellt die Forstwirtschaft nach der Landwirtschaft die bedeutendste Landnutzungsform in Deutschland dar.

Neben der Erzeugung von Holz als Rohstoff muss die Forstwirtschaft auch die wichtigen Funktionen des Waldes, wie Arten-, Boden-, Klima- und Wasserschutz, sicherstellen sowie genügend Raum für Erholung suchende Menschen verfügbar machen.

1991 wurde ein Programm zur langfristigen ökologischen Wald-Entwicklung (LÖWE) von der Landesregierung Niedersachsen beschlossen. Kern dieses Programms sind 13 Grundsätze, die die Bewirtschaftung des niedersächsischen Landeswaldes nach ökologischen Gesichtspunkten ausrichten sollen (www.landesforsten.de). Nach der Auflösung der Niedersächsischen Landesforstverwaltung wurden 2005 die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) als Anstalt des öffentlichen Rechts gegründet, die gegenwärtig die forstlichen Aufgaben des Landes Niedersachsen wahrnehmen.

25% der Landesfläche Niedersachsens ist mit Wald bedeckt, die jährliche Holzernte beträgt 8,3 Millionen m3 (Stand 2012).

Jahrhunderte lang gab es im Solling keine geregelte Forstwirtschaft, der Gedanke an Nachhaltigkeit spielte keine Rolle. Im 13. Jahrhundert waren bereits große Waldflächen zugunsten von Ackerflächen gerodet worden. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren Mast und damit die Weide von Schweinen, Rindern, Schafen und Ziegen in den Buchen- und Eichenwäldern noch von großer Bedeutung. Die Tiere fraßen auch die Triebe junger Bäume ab, so dass eine natürliche Waldverjüngung kaum noch möglich war. Gleichzeitig stieg der Bedarf an Holz als Energiequelle, v.a. durch Wanderglas- und Eisenhütten (s. a. Punkt Wüstung Volksfelde), dramatisch an. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Raubbau des Waldes durch strenge Regelungen beendet.

Bei der Aufforstung der Kahlflächen wurde ab 1860 großflächig die Fichte (Picea abies (L.) H.Karst.), zumeist in Reinbeständen, angepflanzt. Die anspruchslose, schnell wachsende Baumart versprach hohe Erträge (s. auf www.naturpark-solling-vogler.de: Lebensräume: „Fichtenwald“; hier kann auch ein Flyer: „Der Fichtenwald im Solling“ herunter geladen werden).

Während des 2. Weltkrieges wurden die Wälder in Niedersachsen erneut zum Teil rücksichtslos übernutzt. Nach Kriegsende wurde Deutschland auch noch dazu verurteilt, große Waldflächen abzuholzen, um Baumstämme als Reparationen für Kriegsschäden, vor allem an Großbritannien, aber auch an Holland und Belgien, zu leisten.

Das heutige Niedersachsen war Teil der britischen Besatzungszone. Die Fällungen (Reparationshiebe) wurden in der Regel in Form von Kahlschlägen durchgeführt, ohne die deutschen Forstbehörden zu beteiligen und waldbauliche Erwägungen zu berücksichtigen. Die Briten gründeten im Jahr 1946 die North German Timber Control, um die Holzernte in ihrer Besatzungszone zu organisieren.

Erst 1948 endeten die Abholzungsmaßnahmen. Zurückgeblieben waren ausgedehnte Kahlflächen, die wieder aufgeforstet werden mussten. Diese Arbeit wurde zumeist von Frauen, den sog. „Kulturfrauen“ ausgeführt. Da Sämlinge anderer Baumarten fehlten, wurden im Solling hauptsächlich Fichten verwendet. Monokulturen aus Fichten sind aber besonders anfällig für Windwurf bei Stürmen und dem Befall durch den Borkenkäfer (Ips typographus L.). So richtete z.B. das Sturmtief Kyrill 2007 vorwiegend in Fichtenmonokulturen erhebliche Schäden an.


Entsprechend der Ziele des LÖWE-Programms gehen die Niedersächsischen Landesforsten dazu über, die Reinbestände der Fichte schrittweise in artenreiche Mischwälder umzuwandeln. Dabei sollen unterschiedliche Baumarten in verschiedenen Altersstufen nebeneinander wachsen. Kahlschlag auf großen Flächen wird nicht mehr durchgeführt, sondern stattdessen Bäume nur einzeln oder gruppenweise geerntet.

Bei der selektiven Nutzung des Waldes werden in vermehrtem Umfang alte und starke Bäume erhalten. Diese sog. Habitatbäume werden nicht genutzt, sondern ihrem natürlichen Zerfall überlassen. Eine Vielzahl von Tieren und Pilzen sind auf das sich über viele Jahre hinweg zersetzende Holz (s. a. Punkt Totholz) als Lebensraum angewiesen.

Seit 2011 gibt es im Solling die beiden Forstämter Dassel und Neuhaus. Der Anteil der einzelnen Baumarten lag 2013 im Solling bei 44% Buche, 36% Fichte, 10% Eiche und 10 % sonstige Baumarten.

Seltene Tiere, wie Wildkatze (Felis silvestris silvestris Schreber), Schwarzstorch (Ciconia nigra L.), Uhu (Bubo bubo L.), Wanderfalke (Falco peregrinus Tunstall), Mittelspecht (Leiopicus medius L.) und Sperlingskauz (Glaucidium passerinum L.) sind im Solling wieder heimisch. Aber besonders die große Anzahl der eher unauffällig lebenden Insekten und Kleinlebewesen zeigt die Bedeutung des Sollingwaldes für die Tierwelt.


Lichtungen sind baumfreie Stellen innerhalb geschlossener Waldbestände. Sie können entweder als Folge der flächigen Holzernte oder durch Stürme bzw. Feuer entstehen. Da in diesen Bereichen das Licht den Waldboden erreicht, finden zahlreiche Pflanzen und Tiere hier einen idealen Lebensraum.


Der Wald ist aber nicht nur Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Er filtert u. a. Ruß und Staub aus der Luft.

Ein Hektar Laubwald setzt pro Jahr ca. 15 Tonnen, ein Hektar Nadelwald sogar 30 Tonnen Sauerstoff frei.

Darüber hinaus trägt er zur Grundwasserneubildung bei und bindet Kohlendioxid (CO2).

Ein Hektar Wald speichert jährlich mehr als 10 Tonnen CO2, das im Rahmen der Photosynthese von den Bäumen aus der Atmosphäre entnommen wird.

77000 Menschen leben in Niedersachsen direkt oder indirekt vom Wald. Neben FörsterInnen und WaldarbeiterInnen, gehören auch die Holz verarbeitenden Betriebe (Holzindustrie, Holzhandwerk, Holzhandel) dazu.