Totholz

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Kurztext Totholz


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Großer Nutzen für die Artenvielfalt eines Waldes: Das Totholz
Großer Nutzen für die Artenvielfalt eines Waldes: Das Totholz.

Dieser Standort wird durch die vielen stattlichen Eichenbäume geprägt. Früher wurden die Schweine in die Eichenwälder getrieben, da die nahrhaften Eicheln ein ideales Futter darstellten. Heute spielt diese Nutzungsform des Waldes keine Rolle mehr.

Schauen Sie vom Weg aus in westlicher und östlicher Richtung genau in den Eichenbestand hinein, sind zahlreiche abgestorbene Bäume zu erblicken. Im direkten Umfeld des Weges dürfen diese aus Sicherheitsgründen nicht stehen bleiben. Jahrhunderte lang war die Ansicht verbreitet, dass ein korrekt bewirtschafteter Wald von herumliegendem Holz und abgestorbenen Bäumen befreit werden und aufgeräumt sein müsse. Darüber hinaus war jedes Holz von den Bürgern als Brennholz begehrt.

Inzwischen hat sich die Erkenntnis über die große Bedeutung von Totholz für die Artenvielfalt des Waldes in der modernen Forstwirtschaft durchgesetzt.

In der Regel führen Krankheiten, Insekten- und Pilzbefall, Wind- oder Schneebruch sowie Waldbrand zum Absterben von Gehölzen. Das Alter der Bäume spielt in den Wirtschaftswäldern keine Rolle, da das Holz bereits deutlich vor dem Erreichen der maximalen Lebensdauer eines Baumes geerntet wird. Abgestorbene Bäume, die noch nicht umgefallen sind, werden als stehendes Totholz bezeichnet. Demgegenüber spricht man bei am Boden liegenden Baumstämmen oder abgestorbenen Ästen von liegendem Totholz.

Der ökologische Wert von Totholz hängt dabei nicht nur von dessen anteilsmäßigem Vorkommen in einem Wald ab, sondern auch wesentlich von der Art und Größe des Baumes, von seinem Standort (z.B. Sonneneinstrahlung), von seinem Mikroklima und vom Abbaustadium des Holzes.

Bäume mit borkigen Rinden bieten besonders vielen Insektenarten einen Lebensraum. Der vollständige Abbauprozess des Holzes dauert bei der Eiche bis zu 80, bei der Buche 30–50 und bei der Birke 10-20 Jahre.

Je langsamer sich das Holz zersetzt, desto nachhaltiger unterstützt das daraus entstehende Substrat die Entwicklung von holzbewohnenden (xylobionten) Organismen.

Die Eiche beherbergt beispielsweise 1,5-mal mehr Käfer und 5-mal mehr Pilze als die Buche.

Zu den xylobionten Insekten zählen nicht nur Arten, die sich direkt von Rinde oder Holz ernähren, sondern auch die Arten, die auf vorhandene Bohrgänge und bereits teilabgebautes Totholz angewiesen sind. Insekten nutzen das Holz vorwiegend im Larvenstadium als Nahrungsquelle. Käfer stellen dabei die vielfältigste Insektengruppe.
In Mitteleuropa kommen ca. 1350 totholzbewohnende und -abbauende Käferarten vor.

Dazu gehören z.B. die Bockkäfer und die Prachtkäfer sowie der Hirschkäfer (Lucanus cervus L.). Borkenkäfer (Ips typographus L.)zerfressen und durchlöchern die Rinde und gehören zu den Pionierarten, die den Holzabbau einleiten. Sie öffnen Pilzen und Bakterien den Zugang zum Holzkörper, die bei der Zersetzung des Holzes die entscheidende Rolle spielen.

Pilze ermöglichen zahlreichen tierischen Bewohnern erst die Besiedlung des Totholzes, wobei sich viele Tierarten vom Pilzgeflecht (Myzel) oder den –fruchtkörpern ernähren. Auffällige Großpilze an den Baumstämmen sind z.B. der Zunderschwamm (Fomes fomentarius (L.) J. Kickx) und der Hallimasch (Armillaria (Fr.) Staude).

Zahlreiche, zur Ordnung der Hautflügler gehörende, Fliegen- und Mückenarten sowie etliche Wildbienen- und Wespenarten leben im und am Totholz. Die Holzwespen bohren ihre Legestachel in das Holz, um ihre Eier darin abzulegen. Die Larven, leben mehrere Jahre in Holzgängen und ernähren sich von den sich hier ansiedelnden Pilzen.


Abgestorbene Bäume bieten sowohl vielen Vögeln, wie den Spechten und verschiedenen Höhlenbrütern (z.B. Kleiber (Sitta europaea L.), Meisen, Fliegenschnäpper, Eulen und Käuzen), als auch Säugetieren, wie dem Siebenschläfer (Glis glis L.), dem Baummarder (Martes martes L.), dem Eichhörnchen (Sciurus vulgaris L.) und einigen Fledermausarten, einen notwendigen Brut- und Zufluchtsort.


Letztendlich wird durch den Zerfall des Baumes ein Kreislauf geschlossen, bei dem das organische Material einerseits mineralisiert und andererseits als Humus dem Waldboden wieder zugeführt wird und Nährboden für junge Bäume darstellt.