Geologie

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Kurztext Geologie


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Blick vom Rand des Espoldetal, im Hintergrund der Höhenzug der Weper

Die Region im Bereich um Hardegsen gehört geographisch zum Weser-Leine-Bergland. Ihr Standort befindet sich in der so genannten Röt-Senke (Röt-Niederung) von Hardegsen, die zum Sollingvorland zählt. Diese Senke, gelegen zwischen dem Solling-Gewölbe im Westen, das sich mehrheitlich aus Gesteinen des Mittleren Buntsandsteins (Buntsandstein: Zeitalter etwa zwischen 251 bis 243 Mio. Jahren) zusammensetzt, und der Schichtstufe des Unteren Muschelkalkes (Muschelkalk: Zeitalter etwa zwischen 243 bis 235 Mio. Jahren) im Osten, besteht aus z.T. kalkhaltigen Tonen und Mergel-Gesteinen des Oberen Buntsandsteins (Röt).
Auf Grund der geringeren Verwitterungsresistenz der weicheren Ton- und Mergelgesteine des Röts im Vergleich zu den resistenteren, härteren umgebenden Sand- und Kalksteinschichten bildete sich hier eine Senke. Während die Höhen des Solling-Gewölbes zur Röt-Senke sanft abfallen, bildet sich durch die markante Schichtstufe zum Unteren Muschelkalk z. T. ein deutlicher Steilanstieg.

Für die Gesteine des Mittleren Buntsandsteins gehört der Solling und seine Randbereiche zu einer Typlokalität, d. h., 3 von 4 Abschnitten dieses Zeitalters werden nach den Lokalitäten „Solling“, „Hardegsen“ und „Volpriehausen“ (Stadteil von Uslar) benannt. 
Die Gesteine des Mittleren Buntsandsteins aus der Solling-Folge wurden früher oft als Baumaterial (Bausandstein) benutzt. In der massiven Form wurden sie z. B. im Fundament- und gesamten Haus- und Brückenbau, für Mauern, Treppen und Pflasterungen aller Art verwendet.


Enthielten die Sandsteine einen hohen Anteil des Minerals Glimmer, führte dies zu einer leichten Spaltbarkeit, so dass so nur weinige cm dicke Sandsteinplatten hergestellt werden konnten, die ab dem 17. Jahrhundert als Dacheindeckung und als Behangplatten an Hausgiebeln (1-2 cm stark) als Witterungsschutz und in einer etwas stärkeren Ausführung als Bodenplatten (Legesteine, 3-5 cm stark; Dehlsteine ,6-7 cm stark) in Häusern, Kirchen und Schlachthöfen benutzt wurden.


Doch nicht nur vor Ort im Solling und den angrenzenden Regionen war der Gebrauch dieser Sandsteinplatten verbreitet. Gelangten die Platten zunächst nur über den Wasserweg der Weser in entlegenere Orte bis nach Bremen und von dort weiter bis in die Niederlande und nach Dänemark, wurden sie nach dem Bau von Eisenbahnen später noch einfacher in weitere Regionen transportiert. Im 18. und 19. Jahrhundert gelangten sie als Ballast auf Segelschiffen sogar bis nach Amerika.

Westlich Ihres Standortes blicken wir auf die Ausläufer des so genannten „Kuppigen Sollings“, der neben dem eigentlichen Kerngebirge im Nordwesten (Nördlicher Solling), dem Bramwald und dem Reinhardswald das Solling-Gewölbe bildet. Dieses bildet eine Zentralaufwölbung im Nordteil der Hessischen Senke, die zu einem etwa in Nord-Süd-Richtung, vom Mittelmeer bis nach Norwegen, verlaufenden großen Grabensystem gehört. Der Kuppige Solling wird über die Schwülme zur Weser entwässert, während der restliche Solling zur Leine entwässert wird.


Östlich Ihres Standortes blicken wir auf den etwa in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Höhenzug der Weper, der mehrheitlich aus Gesteinen des Unteren Muschelkalks besteht. Wie die Rötsenke von Hardegsen gehört die Weper zum Sollingvorland.

Auf der Weper ist ein ca. 2 Km2 großes Areal zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Dabei handelt es sich um eines der größten und artenreichsten Bereiche mit Halbtrockenrasen Niedersachsens.

Teile der Weper gehören ebenfalls zum Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet Weper, Gladeberg, Aschenburg.

Jüngere Ablagerungen aus den Zeitaltern Keuper und Jura fehlen in der Region fast vollständig, weil sie entweder schon wieder abgetragen sind oder überhaupt nicht zur Ablagerung gekommen waren. Erst in der Kreide kam es zu einem erneuten Meeresvorstoß und damit z. T. zur Ablagerung mariner Sedimente, die aber vielfach auch schon wieder abgetragen sind. Die heutigen Oberflächenformen gehen auf das Ende der Kreidezeit und den Anfang des Tertiärs zurück, wo ein tropisch-feuchtes Klima eine tiefgreifende chemische Verwitterung begünstigte. Im nachfolgenden Quartär, dem jüngsten bis heute andauernden Erdzeitalter mit wechselnden Warm-und Kaltzeiten kam es zur Ablagerung von Kiesen, Schottern, Geröllen und vor allem Löss. Die letzte Eiszeit endete etwa vor 10.000 Jahren und läutete den jüngsten Abschnitt des Quartärs ein, das Holozän.

In der Region um Hardegsen haben sich im Laufe der Erdgeschichte Ereignisse abgespielt, bei denen Ablagerungen von Salzgesteinen eine bedeutende Rolle gespielt haben. Im Zeitalter des Zechsteins (vor 258 bis 250 Mio Jahren) befand sich in Mitteleuropa ein großer flacher Meeresbereich. Das trockene, warme Klima zu der Zeit führte dazu, dass auf Grund hoher Verdunstungsraten die im Meer gelösten Salze ausfielen und sich absetzen. Die sich absetzenden und sich später verfestigenden Sedimente nennt man Evaporite. Zunächst bildeten sich die schwerlöslichen Karbonate (Kalke), dann die Sulfate (Gips, Anhydrit) und schließlich die Chloride (Steinsalz, Kalisalze). Diese Prozesse wiederholten sich mehrfach, so dass man von Eindampfungszyklen spricht. Neben 4 Haupteindampfungszyklen (Werra-, Staßfurt, Leine- und Aller-Serie) unterscheidet man heutzutage noch 3 weitere, die aber nur lokal und nicht vollständig ausgebildet sind.

Bedingt durch die damals herrschenden Verhältnisse mit den sich wiederholenden Prozessen und den extrem hohen Verdunstungsraten kam es dazu, dass sich eine Gesteinsabfolge bildete, die maximal bis zu 1500 m mächtig war.

Salzgesteine haben auf Grund ihrer physikalischen Eigenschaften das Bestreben, bei hohen Auflastdrücken sich plastisch zu verformen, sie sind mobil und fangen an zu „fließen“, und zwar in der Regel dorthin, wo der Auflastdruck am geringsten ist. Diese leichte Deformierbarkeit kann in der Frühphase zur Bildung von „Salzkissen“ und später zu „Salzstöcken“ (Diapire) führen. Alle Vorgänge, die mit der reinen schwerkraftbedingten Salzbewegung verbunden sind , bezeichnet man als Halokinese. Kommen dazu noch weitere, z. B. gebirgsbildende Prozesse, verbunden mit tiefgreifenden Veränderungen der Lagerungsverhältnisse der Gesteine spricht man von halotektonischen Strukturen (Salztektonik).

Wandern die Salzgesteine nach oben, werden die auflagernden Schichten (Deckgebirge) angehoben, und es können sich Berge oder Höhenzüge bilden. Dort, wo das Salz abgewandert ist, können die auflagernden Schichten einsinken, und es bilden sich Senken, so dass die Bewegungen der Salzmassen oft auch mit der Gestaltung der Oberflächenformen korrespondieren.